Prävention

Risikofaktoren und präventive Ansätze

In der Suchtprävention gilt die Stärkung der Kinder und der Familien, in der sie groß werden, als zentrales Motiv. Hierfür brauchen Heranwachsende ein sicheres Zuhause, Eltern, die sich liebevoll und mit Zeit ihren Kindern zuwenden und eine Kita bzw. Schule, in der sie sich wohl und bestätigt fühlen. Das gilt auch bei der Vorbeugung eines problematischen Medienkonsums. Da heute digitale Medien starken Einfluss auf alle Lebensbereiche der Kinder nehmen, gewinnt die Medienbildung und –erziehung an Bedeutung. Um Gefährdungen und Potentiale digitaler Medien zu erkennen, müssen Eltern in ihrer Medienerziehung gestärkt werden. Denn Medienkompetenz der Eltern ist in diesem Zusammenhang ein entscheidender Schutzfaktor und muss daher ausgebaut werden. Eine entwicklungsorientierte Medienbildung, die Medienvorlieben von Kindern erkennt und deren Potentiale für den Unterricht nutzt, könnte darüber hinaus in der Schule ein wichtiger protektiver Ansatz sein.

 

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Präventive Ansätze für Schulen

  • Förderung einer entwicklungsorientierten Medienbildung
    Betonung der Chancen digitaler Medien für Schule und Elternhaus für eine konstruktive Medienbildung und -erziehung
  • Starke Kinder durch universelle Präventionsprogramme
    Implementierung von primärpräventiven Programmen in den Schulalltag zur Vermittlung von Lebenskompetenzen, z. B. „Eigenständig werden“, „Klasse 2000“ oder „Erwachsen werden“
  • Ab der 7. Klasse selektive Präventionsprojekte mit Risikogruppen durchführen
    Risikokompetenzvermittlung durch zielgruppenorientierte Ansprache von Intensivnutzern diverser Medienangebote, z. B. handlungsorientierte Medienprojekte für männliche „Hardcorezocker“ oder weibliche Intensiv-Netzwerkerinnen
  • Beachtung der geschlechtsspezifischen Problematik
    Auseinandersetzung mit gendermainstream Ansätzen, geschlechtsspezifische Förderung von Jungen und Mädchen
  • Aufklärungsarbeit leisten durch Elternabende und Lehrerfortbildungen
    Vermittlung der digitalen Lebenswelten heutiger Jugendlicher, Aufklärung über Risiken der Mediennutzung und Jugendmedienschutz, Stärkung der Medienkompetenz der Lehrkräfte und Eltern
  • Symptome beobachten und ansprechen und handeln
    Früherkennung eines problematischen Medienkonsums (z. B. chronische Müdigkeit, plötzlich stark abfallende Noten, Verlust des Gruppenstatus in der Klasse etc.), Ansprache und gemeinsame Bearbeitung des Problems bzw. Vermittlung in weiterführende Hilfen

Tipps für Eltern

  • Virtualität ist Realität
    Nehmen Sie die Mediennutzung Ihrer Kinder ernst und beschäftigen Sie sich mit der virtuellen Realität Ihres Kindes, je früher desto besser.
  • Außenansicht ist nicht gleich Innenansicht
    Spielen Sie selbst Computerspiele oder chatten Sie mal mit Ihrem Kind. Ihr Kind ist ein Experte in der medialen Kommunikationskultur Jugendlicher, nutzen Sie dieses Wissen und lernen Sie davon.
  • Vertrauensseligkeit entspricht Gleichgültigkeit
    Auch wenn Sie auf den kompetenten Medienumgang Ihres Kindes vertrauen, braucht Ihr Kind Hilfe zur Bewertung und Einschätzung von Medieninhalten, z. B. Computerspiele, Onlinedienste oder Webinhalte.
  • Handeln heißt verhandeln
    Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Faszination des virtuellen Spielplatzes. Verhandeln Sie mit Ihrem Kind Regeln für einen nützlichen und maßvollen Medienkonsum und achten Sie anschließend auf die konsequente Einhaltung dieser Regeln.
  • Besser etwas bieten als verbieten
    Bieten Sie Ihrem Kind familiäre Freizeitmöglichkeiten als Alternative. Seien Sie Ihrem Kind ein gutes Vorbild in der Nutzung und Konsum von Medienangeboten. Bieten Sie Ihrem Kind eine Orientierung im Netz, Ihre Wertvorstellungen sind hier gefragt.
  • Informieren Sie sich und holen Sie sich Hilfe
    Informieren Sie sich über das Thema, z. B. mittels Onlineratgeber, wenden Sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle oder eine spezialisierte Suchtberatung oder rufen Sie mich einfach an.

Familiäre Risikofaktoren

  • Unwissenheit gegenüber der Mediennutzung der Kinder
    Von den sich ständig weiterentwickelten Medienangebote überforderte Eltern, die die Medienaktivitäten ihrer Kinder nicht (mehr) nachvollziehen können, nicht wissen, was ihre Kinder spielen oder wo sie sich im Internet bewegen, wenig oder keine Kenntnisse über soziale Bekanntschaften ihrer Kinder im Internet haben oder sich ihrer Vorbildrolle als Eltern nicht bewusst sind
  • Hohe Streithäufigkeit wegen Medienkonsum
    Der Medienkonsum ist Streitpunkt Nummer eins in der Familie, die elterliche Regulation des Medienkonsums misslingt regelmäßig, zunehmende Verminderung der elterlichen Einflussnahme durch Verschlechterung der Eltern-Kind-Beziehung, Streit um Medienkonsum zur Vermeidung der Auseinandersetzung mit realweltlichen Problemen, z. B. unbewältigte Entwicklungsaufgaben, geringe Lebenszufriedenheit der Kinder, fehlende Zuwendung von Seiten der Eltern
  • Inkonsequente Medienerziehung
    Geringe Medienkompetenz der Eltern, Delegation bzw. Ablehnung medienerzieherischer Verantwortung, keine oder nur geringe medienerzieherische Orientierung, inkonsequente Regulierung des Medienkonsums der Kinder, fehlende positive Mediennutzungsanreize
  • Dauerhaft belastetes Familienklima
    Verursacht, z. B. durch soziale Benachteiligung bzw. Zugehörigkeit einer schwächeren sozialen Schicht, Überforderung von Ein-Eltern-Familien, fehlende Väter, unzureichende Zuwendung bzw. nur wenig Zeit für die Kinder, hohe Stressbelastung der Eltern (z. B. durch Trennung, berufliche Anforderungen oder Existenzsicherung)

Individuelle Risikofaktoren

  • Hohe Medienbindung
    PC und Internet sind die Leitmedien; auf sie kann am wenigsten verzichtet werden, üppige Geräteausstattung schon in frühen Kindertagen, leichter und unbegrenzter Zugang zu Medien (z. B. im Kinderzimmer)
  • Vernachlässigung von Entwicklungsaufgaben
    Abnabelung vom Elternhaus und Übergang von Schule und Beruf misslingt, die Entwicklung der Sexualität stagniert, die Identitätsarbeit wird vernachlässigt, schwache Motivation selbständig zu werden
  • Mangelnde Selbstwirksamkeitsüberzeugung
    Geringer Glauben an sich selbst durch geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühl der Wertlosigkeit der eigenen Existenz bzw. Sinnlosigkeit des Lebens
  • Geringe Lebenszufriedenheit
    Mit zentralen Lebensbereichen unzufrieden, z. B. durch erlebte Einsamkeit, Isolation, Außenseiterrolle, Mangel an Erfolgserlebnissen, belastetes Familienklima
  • Kompensation realweltlicher Defizite
    Mehr oder weniger bewusste Stimmungsregulation (Mood Management) bzw. inadäquate Stressbewältigung (Coping) von Belastungen explizit durch intensiven Medienkonsum (z. B. Versagen in der Schule, Probleme in der Familie)
  • Psychische Störungen
    Narzistische Störungen, Depressionen und Angststörungen (Schulangst), extreme Schüchternheit, Hyperaktivität (ADHS), Impulskontrollstörung, Störungen durch psychotrope Substanzen (z. B. THC), Traumatisierung (z. B. elterliche Misshandlung)